HISTORIE DES TBV LEMGO

von Gerhard Dietz

Aus der Geschichte des TBV LEMGO 1911 e.V.

Der TBV wurde am 2. September 1911 unter dem Namen BSV 1911 (,,Ballspielverein 1911’’) in der Lemgoer Gaststätte ,,Friedensstern’’ als Fußballklub gegründet. In späteren Jahren erscheint der Name ab ca. 1927 abgekürzt als BV bzw. ab 1945 als TBV (,,Turn- und Ballspielverein’’). Zuerst waren allerlei Widerstände zu überwinden, denn in vom Bürgertum geprägten Kleinstädten wie Lemgo hatte das Fußballspiel noch keinen hohen Stellenwert, vielmehr dominierten dort Turnvereine, die sich streng an den gesellschaftlichen und politischen Ideen von ,,Turnvater’’ F.L. Jahn orientierten. Und in denen hatte das ,,englische’’ Fußballspiel keinen Platz, zumal die Kicker auch noch in ,,leichter Bekleidung’’ antraten.

Die Lemgoer Fußballer trugen ihre Spiele auf einem Gelände an der Siechenstraße aus, das der Wirt der oben genannten Gaststätte zu Verfügung stellte, aber auch schon auf dem noch heute existierenden Sportplatz am Bruchweg. Schon 1913/14 hatten sie den Lemgoer Lokalrivalen ,,Hermania’’, der ein halbes Jahr älter war, überholt und brauchte auch keine Gegner aus dem heimischen Lippe zu fürchten – seien es Mannschaften aus Detmold, Lage, Salzuflen oder Barntrup. Der letzte Schritt, endgültig die ,,Nummer eins’’ in der Heimat zu werden, wurde allerdings durch den Ausbruch des 1. Weltkriegs im Sommer 1914 unterbrochen.

Bedingt u.a. durch den Eintritt einer Reihe von Spielern des nach dem Krieg aufgelösten Klubs ,,Hermania’’ wuchs die Mitgliederzahl beträchtlich, was auch zur Gründung einer Leichtathletikabteilung führte. Die BSV-Leichtathleten riefen wenig später den jahrzehntelang durchgeführten Staffellauf ,,Rund um Lemgo’’ ins Leben.

1923/24 trafen sich die ersten Handballinteressenten im Verein, um der erst wenige Jahre alten Sportart nachzugehen. Gespielt wurde ausschließlich Handball auf dem großen Feld, d.h. auf Fußballplätzen – und zwar im Winterhalbjahr. Die Lemgoer taten sich zunächst in der Bezirksklasse Bielefeld, in der sie von 1925 bis 1933 spielten, recht schwer und konnten keine sonderlichen Erfolge vorweisen. – Ganz anders die Mannschaft, die aus der gegen Ende der 20er Jahre gegründeten Frauenabteilung hervorging, in der man dich in erster Linie aber dem Turnen und der Gymnastik widmete! Bereits 1931/32 konnten die BV-Handballdamen ihren ersten Meistertitel in Lippe vermelden, den sie in den Jahren danach stets ungeschlagen verteidigten. Auch die Damen spielten übrigens draußen – im Winter bei Regen, Eis und Schnee.

Die Fußballer des BSV bzw. BV liefen in den 20er Jahren in Spielklassen auf, die mit der heutigen Bezirks- oder vielleicht auch Landesliga vergleichbar sein könnten. Die Spielpartner kamen aus dem Raum Ostwestfalen und Osnabrück, und in der Regel gehörten die Lemgoer zu den führenden Vereinen.

Im Rahmen der politisch-gesellschaftlichen Umwälzungen kam es 1933 auch im Sport zu erheblichen Änderungen. Zunächst wurden von den neuen nationalsozialistischen Machthabern alle politischen missliebigen Verbände und Vereine verboten. So wurden auch in Lemgo die ,,Freie Turnerschaft’’ und der ,,Spielverein’’, die beide dem sozialdemokratischen Arbeitersport angehörten, sowie der kommunistisch orientierte ,,Rot-Sport’’ -Verein aufgelöst, deren Verbände – wie auch die Turnvereine der ,, Deutschen Turnerschaft’’ – bis dahin ihre eigenen Meisterschaftsspiele durchgeführt hatten. Die Mitglieder der aufgelösten Vereine durften sich unter gewissen Auflagen anderen, noch zugelassenen Klubs anschließen. Und so stießen zum BV Lemgo die Handballer der ,,Freien Turnerschaft’’ und einige Fußballer aus dem ,,Spielverein’’.

Davon profitierten besonders die BV-Handballer, die nach der Umgestaltung des Spielklassensystems durch die neue Sportführung der Bezirksklasse Lippe / Paderborn / Höxter zugewiesen wurden. Dort entwickelte sich das Team nach anfänglichen Schwierigkeiten ab 1936 zu einer lippischen Spitzenmannschaft zusammen mit dem TV Lemgo.

Noch besser machen es die BV-Fußballspieler, die nach dem 25-jährigen Jubiläum, welches mit einer großen Festwoche gefeiert wurde, ab 1936 enorm von ihrer hervorragenden Jugendarbeit profitierten. ,

In der sogenannten A-Klasse, in der neben dem ,,Ballspielverein’’ Mannschaften aus Lippe und den benachbarten Kreisen spielten, holten sich die Lemgoer die Meisterschaft der Serie 1937/38. Sie setzen sich auch gegen die anderen A-Klassen-Sieger durch, durften sich daraufhin Ostwestfalenmeister nennen und stiegen in die Bezirksklasse auf, die immerhin die zweithöchste westfälische Liga darstellte. Der Rückhalt in der Bevölkerung war groß, und zu Auswärtsspielen etwa in Bielefeld begleiteten bis zu 1000 Schlachtenbummler die blau-weiß gekleideten Hansestädter. Die Begeisterung stieg ins Unermessliche, als 1938/39 die BVer als Neuling sofort Vizemeister in der Bezirksklasse wurden. Klar, dass man sich für 1939/40 eine große Chance auf den Titelgewinn und den Aufstieg in die Westfalen-Gauliga ausrechnete.

Doch es kam ganz anders. Im September 1939 brach der 2. Weltkrieg aus. Die jungen Männer wurden zur Wehrmacht eingezogen, und viele Vereine konnten keine kompletten Mannschaften mehr aufstellen. Das betraf auch den BV Lemgo, der sein Team aus der Bezirksklasse zurückzog und nur noch auf lippischer Ebene spielte, häufig mit Jugendlichen im Aufgebot. Der Spielbetrieb der Männer wurde 1942 eingestellt, nur Jugendspiele gab es noch bis 1944.

Die oben geschilderten Probleme hatten auch die Handballer, die in einer Minirunde nur noch für 1939/40 einen lippischen Meister ermittelten und danach den Spielbetrieb in den unteren Klassen bis 1945 einstellten.

Der Wiederbeginn nach dem Krieg war wirtschaftlich und finanziell ebenso schwierig wie der 1919/20. Sportutensilien waren nicht mehr vorhanden, weder Bälle noch Trikots noch Schuhe. Dazu kamen die Vorwürfe, welche die britischen Besatzer dem deutschen Sport im Hinblick auf seine Haltung zum Nationalsozialismus machten. Besonders die Vereine der ,,Deutschen Turnerschaft’’ standen hier in der Kritik. Folglich wurde von der Besatzungsmacht eine umfassende Reform des Sports angekündigt, um den Missbrauch sportlicher Organisationen zum Beispiel für politische oder gar militärische Zwecke in Zukunft auszuschließen. Da sich die Gefahr der Auflösung vieler Vereine abzeichnete, wurden landesweit umgehend Fusionsvereine gegründet, in welche die genannten Turnvereine eintraten. Das geschah auch in Lemgo, wo im September 1945 aus dem BV und dem TV der TBV entstand, der noch heute existierende ,,Turn- und Ballspielverein’’. Er stellte einen Großverein dar mit vielen Abteilungen, zum Beispiel: Fußball, Handball, Turnen, Leichtathletik, Schwimmen – und noch in den 40er Jahren folgten Sparten für Hockey, Boxen, Kanusport, Tischtennis.

Hervorzuheben sind unter diesen besonders die Hockeyspieler, die in den 50er Jahren zur westfälischen Elite gehörten, die Tischtennisspieler auch noch in den 60er Jahren.

Die Vorsitzenden:

1911 – 1942: Karl Ridder – Heinrich Wolf – Paul Frische – Gustav Fischer – Heinz Stracke – August Löhr – Willi Osterhage
1945 – 1949: August Flohr
1949 – 1951: Fritz Prinzhorn
1951 – 1965: Paul Ahrendt
1965 – 1967: Karl Röer
1967 – 1969: Erich Hoyer
1969 – 1977: Harry Weiguny
1977 – 1991: Hans Pohl
1991 – 2002: Werner Gehrke
2002 – 2010: Helmut Meyer
2010 – 2012: Christian Asche
seit 2012: Burkhard Pohl

Ehrenmitglieder:

Friedrich von Dahlen – Erich Krause – Annemarie Kuhlemann – Volker Zerbe – Hans-Werner Antkewitz – Gerhard Dietz – Harry Hauser – Helmut Meyer – Rudi Scharf – Dieter Schönbrodt – Klaus Theimann

Ehrenvorsitzender:

Hans Pohl